Die Energiewende in Deutschland

Fukushima, 2011

Seit der Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima am 11. März 2011 ist die „Energiewende“ das Schlagwort schlechthin in der deutschen Energieversorgung. Vor diesem Hintergrund beschloss die Bundesregierung im Juni 2011, die deutschen Atomkraftwerke schrittweise abzuschalten.

Ziel ist es seither, durch einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien die bestehenden Atomkraftwerke zu ersetzen. Dieses ambitionierte Vorhaben wird weltweit mit Spannung verfolgt, versucht doch eine der größten Volkswirtschaften der Welt, nur mit erneuerbaren Energien seinen Energiebedarf zu stillen.

Inzwischen wachsen in der Bevölkerung die Zweifel, ob die Energiewende richtig umgesetzt wird. Gründe dafür gibt es einige: So steigen die Kosten der EEG-Umlage, die alle Endverbraucher über ihre Stromrechnung bezahlen, immer weiter an. Dies liegt zum Teil daran, dass über sehr lange Zeiträume hohe Vergütungen für Energiearten gezahlt werden, die nicht sehr effizient sind. Dazu gehört aufgrund der vergleichsweise geringen Sonneneinstrahlung die Solarenergie. Andererseits werden immer mehr große Stromverbraucher aus der Industrie von der EEG-Umlage befreit, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Die EEG-Umlage verteilt sich so auf die restlichen Verbraucher und steigt in der Konsequenz für den Einzelnen weiter an.

Zudem führt die Förderung zum Bau von Anlagen, die teilweise noch gar nicht nutzbar sind. So sind beispielsweise in der Nordsee einige Windparks bereits fertiggestellt, können aber mangels einer Netzanbindung ans Festland keinen Strom produzieren.

Generell ist das Thema Netzausbau noch ein großes Thema der Energiewende. Atomkraftwerke stehen in der Nähe der Industriezentren in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Die für Windenergie günstigen Voraussetzungen herrschen aber vor allem an der Nordsee, wo es keine unmittelbaren Abnehmer für den Strom gibt. Der Strom muss also von der Nordsee in die Industriezentren in West- und Süddeutschland geleitet werden. Dafür ist ein massiver Netzausbau notwendig, denn bisher ist das Netz nicht auf eine derartige Transitfunktion eingerichtet. Der Bau neuer Stromtrassen trifft zudem oft auf den Widerstand von Anwohnern, die durch die Strommasten ihre Lebensqualität und den Wert ihrer Immobilien gefährdet sehen.

Ein weiteres Problem ergibt sich dadurch, dass die erneuerbaren Energien Windkraft und Solarenergie von den Launen der Natur abhängig sind und daher nicht sicher verfügbar sind. Zur Vermeidung eines Blackouts (flächendeckender Stromausfall) sind daher Reservekraftwerke notwendig, die schnell und flexibel die Lücke füllen können, wenn Sonne und Wind nicht ausreichend verfügbar sind. Strom aus den dafür gut geeigneten Gaskraftwerken ist allerdings im Vergleich zu den bestehenden Kohlekraftwerken teuer in der Produktion und somit an der Strombörse schlecht nachgefragt. Dadurch besteht für die Stromwirtschaft kein Anreiz, Gaskraftwerke zu bauen und zu betreiben.

Zieht man Bilanz, so zeigt sich, dass sich der Umstieg auf die erneuerbaren Energien in der Bevölkerung weiterhin hoher Akzeptanz erfreut. An der politischen Umsetzung, der Kostenverteilung und der kurzfristigen Zeitplanung mit den damit verbundenen Nachteilen für einzelne Beteiligte gibt es aber zunehmend Kritik.