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Gesetzliche Grundlagen zu Energieeffizienz

Der Ausbau Erneuerbarer Energien in Deutschland schreitet stetig voran. Die Energiewende, d. h. der weitestgehende Verzicht auf Atomkraft und fossile Energieträger, ist aber nicht allein mit dem Umstieg auf ökologische Erzeugungsmethoden zu schaffen. Daneben spielen Energiesparen und Energieeffizienz eine wesentliche Rolle.

Der Gesetzgeber hat daher mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) und  dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) zwei Verordnungen erlassen, die gerade Bauherren zu mehr Energieeffizienz verpflichten.

Die EnEV regelt vor allem die technischen Anforderungen an Neubauten und bei der Altbausanierung. Das EEWärmeG schreibt vor, welchen Anteil erneuerbare Energien beim Heizen haben müssen.

Alle wichtigen Informationen zu beiden Gesetzen haben wir Ihnen hier zusammengestellt.

Die Energieeinsparverordnung (EnEV)

Die EnEV ist ein Teil des deutschen Baurechts. In ihr ist geregelt, welche bautechnischen Anforderungen zum Energieverbrauch der Bauherr berücksichtigen muss. Dabei gilt die EnEV nicht nur für Neubauten, sondern greift auch bei umfangreichen Sanierungsmaßnahmen an Altbauten oder bei Erweiterungen von mehr als 50 m2 an bestehenden Gebäuden.

Die Verordnung gilt für Wohngebäude, Bürogebäude und bestimmte Betriebsgebäude. Dazu zählen:

  • Gebäude mit einer Innentemperatur von mehr als 19 °C, die jährlich mind. 4 Monate beheizt werden, sowie Gebäude, die ganz bzw. überwiegend zum Wohnen genutzt werden.
  • Gebäude die nach ihrem Verwendungszweck eine Innentemperatur von 12–19 °C haben und mind. 4 Monate beheizt werden.

Die EnEV gilt dagegen nicht für:

  • Betriebsgebäude, die überwiegend der Tierhaltung dienen.
  • großflächige Betriebsgebäude, die lang anhaltend offengehalten werden müssen.
  • unterirdische Bauwerke.
  • Räume, die der Aufzucht und dem Verkauf von Pflanzen dienen (Gewächshäuser etc.).
  • Traglufthallen, Zelte und ähnliche Gebäude, die wiederholt aufgebaut und zerlegt werden müssen.

Seit dem Stichtag 1. Oktober 2009 ist die Novelle der Energieeinsparverordnung in Kraft getreten. Dabei wurde die Obergrenze für den zulässigen Jahresprimärenergiebedarf für Neubauten um durchschnittlich 30 % gesenkt, die Anforderungen an die Wärmedämmung der Gebäudehülle um durchschnittlich 15 % erhöht und festgelegt, dass Nachtspeicherheizungen stufenweise außer Betrieb genommen werden sollen.

Ein wesentlicher Wert, an dem sich die Energieeffizienz eines Gebäudes und einzelner Gebäudeteile messen und vergleichen lässt, ist der U-Wert.

Der U-Wert

Der U-Wert  ist die Bezeichnung für den Wärmedurchgangskoeffizienten. Dieser beschreibt, welche Wärmemenge (in kWh) durch eine Bauteilfläche von 100 m² in einer Stunde transportiert wird, wenn zwischen innen und außen ein Temperaturunterschied von 10 °C besteht. Je kleiner der U-Wert ist, desto geringer ist also der Wärmeverlust bzw. desto besser ist die Wärmedämmung.

Beispiel

Ihr Fenster ist 2 m x 1 m groß (2 m²) mit einem U-Wert von 1,5 W/m² x K.

Beträgt die Außentemperatur nun –10 Grad und die Innentemperatur +20 Grad, so ergibt sich ein Temperaturunterschied von 30 Grad.

Das heißt:

2 m² Fensterfläche x 30 Grad Temperaturunterschied x 1,5 U-Wert =
90 Watt

Der Wärmeverlust des Fensters beträgt 90 Watt pro Stunde.

Referenzwerte des U-Werts für Neubauten gemäß EnEV 2009

Bauteil Wohngebäude Nichtwohngebäude
U in W/(m2K) U in W/(m2K)
Außenwand gegen Außenluft 0,28 0,28
Außenwand gegen Erdreich 0,35 0,35
Dach, oberste Geschossdecke 0,20 0,20
Fenster, Fenstertüren 1,30 1,30
Dachflächenfenster 1,40 1,40
Lichtkuppeln 2,70 2,70
Außentüren 1,80 1,80
Vorhangfassade 1,40
Glasdächer 2,70
Lichtbänder 2,40

Höchstwerte im Sanierungsfall gemäß EnEV

Bauteil ENEV 2009
U in W/(m2K)
Außenwände 0,24
Dach, oberste Decke 0,24
Fenster, Fenstertüren 1,30
Verglasungen 1,10
Dachflächenfenster 1,40
Vorhangfassaden 1,50
Glasdächer 2,00

Der Energieausweis

Bestandteil der EnEV ist auch der Energieausweis. Dieser wurde 2007 erstmals eingeführt und hat zum Ziel, die Energieeffizienz von Gebäuden vergleichbar zu machen.

Wer benötigt einen Ausweis?

Für Neubauten und alle Gebäude, die neu vermietet oder verkauft werden sollen, ist der Energieausweis Pflicht. Der Vermieter oder Verkäufer muss dem Interessenten den Ausweis vorlegen, jedoch nicht überlassen oder aushändigen. In öffentlichen Gebäuden mit einer Nutzfläche von mind. 1.000 m² muss der Ausweis gut sichtbar ausgehängt werden. Alleine für Baudenkmäler ist der Energieausweis nicht verpflichtend. 

Bedarfsausweis und Verbrauchsausweis

Beim Energieausweis wird zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis unterschieden. Wer welche Art von Ausweis benötigt, ist ebenfalls in der EnEV geregelt.

Der Bedarfsausweis

Der Bedarfsausweis ermittelt anhand von baulichen Aspekten den theoretischen Energieverbrauch eines Gebäudes. Dieser ist unabhängig vom individuellen Nutzungsverhalten der Bewohner. Er ist Pflicht für Neubauten und Wohngebäude, die weniger als 5 Wohnungen (1 bis 4 Wohnungen) besitzen und bei denen der Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt wurde.

Für den Bedarfsausweis werden folgende Daten des zu bewertenden Gebäudes benötigt: die Dämmstärken des Daches bzw. der Geschossdecke, der Außenwände und des Kellers. Außerdem sind Art und Alter der Fenster sowie Angaben zum Alter und Isolierungszustand der Heizung und der Warmwasseraufbereitung erforderlich. Auf der Basis dieser Daten werden rechnerisch der Primärenergiebedarf und der Endenergiebedarf des Gebäudes berechnet.  Dabei gibt der Endenergiebedarf die jährlich benötigte Energiemenge für Heizung, Lüftung und Warmwasserbereitung an. Für den Primärenergiebedarf wird zusätzlich noch die „Vorkette“ der jeweils eingesetzten Energieträger berücksichtigt. Damit stellt der Primärenergiebedarf auch ein Maß für die Umweltfreundlichkeit eines Gebäudes dar.

Der Verbrauchsausweis

Der Verbrauchsausweis orientiert sich an den tatsächlichen Verbrauchsdaten für Heizung und Warmwasserbereitung der letzten drei oder mehr Jahre. Er ist damit stark vom individuellen Verbrauchsverhalten der Nutzer abhängig. Damit ein z. B. besonders starker Winter nicht zu einer schlechteren Beurteilung des Gebäudes führt, wird der Energieverbrauch um einen standortbezogenen Klimafaktor bereinigt.
Bei Wohngebäuden, die dem Anforderungsniveau der Wärmeschutzverordnung vom 11. August 1977 entsprechen oder bei denen der Bauantrag nach dem 1. November 1977 gestellt wurde, besteht Wahlfreiheit zwischen dem Verbrauchsausweis oder den Bedarfsausweis. Für Nichtwohngebäude besteht ebenfalls Wahlfreiheit zwischen beiden Ausweisarten. 

Das EEWärmeG

Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz ist zum 1. Januar 2009 in Kraft getreten und soll den Anteil Erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch für Wärme (Raum-, Kühl- und Prozesswärme sowie Warmwasser) erhöhen. Bis 2020 sollen 14 Prozent der in Deutschland benötigten Wärmenergie aus Erneuerbaren Energien stammen.

Im Wesentlichen richtet sich das Gesetz an die Eigentümer bzw. Bauherren von neu zu errichtenden Gebäuden. Allerdings greift es auch bei Altbauten, die um mehr als 50 m²  beheizter oder gekühlter Nutzfläche erweitert werden, sowie bei baulichen Maßnahmen, deren planerischer und baulicher Aufwand so umfangreich ist, dass sie einem Neubau gleichen.

Für diese Fälle schreibt das EEWärmeG eine verpflichtende, anteilige Nutzung von Erneuerbaren Energien zur Beheizung und Warmwasserbereitung des Gebäudes vor. Dazu gehören Geothermie, Umweltwärme, solare Strahlungsenergie und Biomasse. Bei der Verwendung dieser Energien muss der Anteil am gesamten Wärmeverbrauch des Gebäudes mindesten folgende Werte betragen:

  • Solare Strahlungsenergie: 15 % (aus Vereinfachungsgründen muss bei Ein- und Zweifamilienhäusern die Fläche der montierten Solarkollektoren mindestens 4 % der Nutzfläche, bei Mehrfamilienhäusern entsprechend 3 % betragen).
  • Biomasse: 50 % bei der Verwendung von flüssiger oder fester Biomasse (Bioöl einerseits oder Holzpellets und Scheitholz andererseits) und 30 % bei der Verwendung von Bioerdgas.
  • Geothermie und Umweltwärme: 50 % (z.B. Wärmepumpen).

Alternativ haben Eigentümer, die keine Erneuerbaren Energien einsetzen möchten, die Möglichkeit, das Gesetz durch die Nutzung von Abwärme, Fernwärme oder Wärme aus Kraft-Wärme-Kopplung zu erfüllen.